PRESSE

Die Bereitstellung von 150 000€ durch den Bremer Senat für die Erarbeitung eines Gedenkstättenkonzepts für den Denkort Bunker Valentin und damit die erneute Frage nach der Zukunft des Erinnerungsortes wurde in der regionalen Presse rege diskutiert.
Eine Presseschau (Februar/März 2009):

"Gesamter Koloss kaum zu schultern"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann über die geplante Gedenkstätte am U-Boot-Bunker in Farge
... Mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sprach [...] Redakteur Michael Brandt über die Frage der Verantwortung und über finanzielle Möglichkeiten.
Frage: Wer ist für den ehemaligen U-Boot-Bunker "Valentin" verantwortlich?
Bernd Neumann: Formal handelt es sich noch um einen Bunker, also keine Gedenkstätte. Der Bau befindet sich damit in der Obhut der Bundeswehr, bis die Marine 2010 auszieht. Dann übernimmt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben - BIMA - das Objekt. Solche überdimensionierten NS-Hinterlassenschaften gibt es auch an anderen Orten. Zum Beispiel das 'Reichsparteitagsgelände' in Nürnberg und die Nazi-Feriensiedlung Prora auf Rügen. Dafür sind immer die jeweiligen Eigentümer der Immobilien zuständig.
Frage: Das Rathaus sieht aber zum Beispiel das Bundesverteidigungsministerium oder Ihre Behörde mit in der Verantwortung, vor allem, wenn es darum geht, die laufenden Kosten zu tragen.
Bernd Neumann: Für Gedenkstätten sind - gerade auch nach den Ergebnissen der Föderalismusreform - die Länder zuständig. Wenn Bremen vor hat, in Verbindung mit dem Bunker eine Gedenkstätte zu errichten, um die Unmenschlichkeit des Nazi-Systems zu dokumentieren, was ich begrüßen würde, dann muss Bremen das umsetzen. Ich biete meine Hilfe an. Alles, was wir können, werden wir auch tun.
Frage: Was kann das sein?
Bernd Neumann: Der Bund kann sich in besonderen Situationen, wenn es um eine Gedenkstätte von übergeordneter Relevanz geht, an der Errichtung und an Projekten wie zum Beispiel Ausstellungen beteiligen, aber nicht an den laufenden Kosten. Das sind die Möglichkeiten, die ich habe und die ich auch gern nutzen möchte.
Frage: Wie hoch könnte das finanzielle Engagement ausfallen?
Bernd Neumann: Der Bund hat die Möglichkeit, sich bis zur Hälfte der Kosten zu beteiligen. Für den Dauerbetrieb bleibt aber das Land zuständig. Den gesamten, riesigen Koloss zu einer Gedenkstätte zu erklären, das kann Bremen kaum schultern. Es sollte ein Konzept erarbeitet werden, bei dem die Gedenkstätte den Bunker selbst nicht oder nur zu einem Teil nutzt. Für eine Gedenkstätte mit einer Ausstellung am Rande des Bunkers muss man den Bunker selbst nicht unbedingt nutzen. Ich habe bereits angeboten, dass Mitarbeiter meiner Behörde die Projektentwicklung begleiten, damit am Ende auch ein förderungsfähiger Antrag vorliegt.
Frage: Welche Hausaufgaben muss Bremen noch machen?
Bernd Neumann: Was sofort professionell angegangen werden muss, ist, dass sich Bremen mit der BIMA an einen Tisch setzt und bespricht, welche Überlegungen es auf beiden Seiten gibt. Auch dabei bin ich gerne mit meinen Mitarbeitern behilflich. Die BIMA ist demnächst für die Unterhaltung und Sicherheit des Bunkers verantwortlich. Alle Immobilien, die der Bund nicht benötigt, versucht die BIMA anderweitig zu vermieten oder zu verkaufen. Aber ich glaube hier nicht an Interessenten. Dies muss Bremen aber in direktem Gespräch erörtern. [...]
aus: Weser Kurier, 11.03.2009.





Bremen finanziert Valentin-Konzept
150 000 für die Planung / Einen Schritt weiter auf dem Weg zur Bunker-Gedenkstätte
[...] allein kann Bremen diese Gedenkstätte nicht auf Dauer unterhalten. Der Bund würde allerdings nur 50 Prozent der "Projektkosten" übernehmen. Das heißt: Fest angestelltes Personal müsste voll von Bremen finanziert werden. [...] "Wir haben zusammen mit dem Verein zehn Jahre investiert", sagt Herbert Wulfekuhl, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung. Er hofft, dass in zwei Jahren ein allseits akzeptiertes Konzept vorliegt. Während der Verein Bunker Valentin anfangs geplant hatte, zusammen mit der dort präsenten Bundeswehr die Gedenkstätte zu betreiben, hat sich 2004 die Lage vollkommen geändert: Damals wurde bekannt gegeben, dass die Militärs ihr Materiallager im Bunker Ende 2010 ganz aufgeben. [...]
aus: Burg-Lesumer-Vereinsblatt, 04.03.2009.





"Ein Massengrab für Menschen aus ganz Europa"
Senat gibt 150 00 Euro für die Konzeptionierung einer nationalen Gedenkstätte im U-Boot-Bunker "Valentin" frei
[...] Der ehemalige U-Boot-Bunker "Valentin" ist "in seiner ganzen Monströsität", so Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), ein authentischer Ort der Verbrechen des Nationalsozialismus und eine Stätte der deutschen und europäischen Erinnerungskultur. [...]
aus: Kreiszeitung Syke, 04.03.2009.





Vorarbeiten können beginnen
Bunker Valentin: Senat stellt Geld für Gedenkstättenkonzept bereit
[...] "Einfach den Bunker in das allgemeine Vermögen des Bundes zu überführen und zum Verkauf anzubieten, ist keine angemessene Lösung", betont Bürgermeister Jens Böhrnsen. [...]
aus: Norddeutsche, 04.03.2009.





Bunker-Zukunft: Bremen wartet auf Signale
Senat will Mittel für Gedenkstättenkonzept freigeben / Bürgermeister Böhrnsen sieht Bund in der Verantwortung
Der ehemalige U-Boot-Bunker "Valentin" soll zur Gedenkstätte werden. Ziel ist es, in den kommenden zwölf Monaten in Bremen eine wissenschaftlich fundierte Konzeption dafür zu entwickeln. Der Senat will am Dienstag 150 000 Euro zur Verfügung stellen. Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) mahnt indes: "Es gibt immer noch keine Zusage des Bundes, dass er seiner Verantwortung gerecht werden will."
Der Bunker gehört dem Bund. Und er verursacht dem Vernehmen nach Unterhaltungskosten von ungefähr 700 000 Euro pro Jahr. In den Unterlagen, mit denen sich der Senat nach dem Wochenende befassen will, wird deshalb darauf gepocht: Der Bund müsse Eigentümer des U-Boot-Bunkers bleiben, mit "den daraus erwachsenden Unterhalts- und Sicherungspflichten". Bürgermeister Böhrnsen: "Der Bund hat eine historische Verantwortung."
In den Papieren für die Regierungssitzung wird auch der Stellenwert des Bunkers eingeordnet: "Exemplarität und internationale Bedeutung kann dieser historische Ort zweifellos für sich beanspruchen." Das Zitat stammt aus dem Abschlussbericht eines Seminars mit Gedenkstätten-Experten.
[...]
Böhrnsen betont, dieses "Bauwerk des Größenwahns" besitze für Bremen eine große Bedeutung. [...]
Den grauen Betonklotz einfach brach liegen zu lassen und im Zweifelsfall nur den Zaun zu erhöhen, hält der Bürgermeister für undenkbar und unzulässig. "Ich fände es unglaublich, wenn auch nur diese Gefahr bestünde." [...]
Mit den Mitteln, die der Senat jetzt freigeben will, soll ein Projektteam mit zwei Wissenschaftlern gebildet werden. Sie sollen weitere Experten zu Rate ziehen. Denn die Konzeption soll dem Vergleich mit Referenzprojekten wie Bergen-Belsen und Neuengamme standhalten. Geplant ist zum Beispiel, eine Studie über eine mögliche Internationale Jugendbegegnungsstätte anzufertigen. Unterrichts- und weiteres Informationsmaterial soll entstehen Außerdem soll das Team erarbeiten, welche Gestalt die Gedenkstätte haben könnte.
[...]

dazu der Kommentar von Michael Brandt:

Krämermentalität
Der Bunker ist vom ersten Tag seines Entstehens an ein Mahnmal für die Todesmaschinerie des Nazi-Regimes. Die Betonwände sind ein herausgehobenes Beispiel für Vernichtung durch Arbeit. So hat der Bürgermeister recht, wenn er das Bauwerk als Monstrum bezeichnet. Es ist von seiner Idee her, wegen der Lager und der ungezählten Toten in jeder Hinsicht monströs. Diese Vergangenheit verbietet es schlichtweg, Ende nächsten Jahres den Zaun einfach ein wenig höher zu ziehen und die Geschichte dem Vergessen preiszugeben. Der Bund, genauer die Bundeswehr, hat die Immobilie über Jahrzehnte genutzt - trotz der Gräuel der Nazizeit. Allein schon daraus ergibt sich eine moralische Verantwortung für die Zukunft der Gedenkarbeit an diesem Ort. Den Bunker aber wie jede x-beliebige Immobilie an das Bundesvermögensamt weiterzureichen, zeugt von nicht vorhandener Sensibilität und von Krämermentalität. Die Frage der Verantwortung hängt nicht an der Laufzeit von Mietverträgen.
In Farge haben sich die Verantwortlichen des Marine-Depots immer mit der Vergangenheit auseinandergesetzt, haben Führungen und Veranstaltungen ermöglicht. Bürger kümmern sich seit Jahren darum, die Geschehnisse während des Bunkerbaus in Farge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Bis nach Berlin ist offenbar nicht vorgedrungen, wie man lokal mit der Historie umgegangen ist. Dass jetzt niemand in den Ministerien die Verantwortung übernehmen möchte, weil man die Unterhaltungskosten scheut, ist unwürdig. 700 000 Euro sind anscheinend der Preis für Erinnerung und Mahnung.
aus: Weser Kurier, 28.02.2009.





Geld für Valentin
Bremer Senat will "Gedenkstättenkonzept" bezahlen. Der Bund soll sich an den "Gedenk"-Projekten beteiligen

Kultur ist Sache der Länder, das rächt sich bei einem weit über Bremen bedeutsamen Projekt wie dem Versuch, im Bunker Valentin eine Gedenkstätte einzurichten. Die Landeszentrale für politische Bildung hatte vor einem Jahr beim Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) Gelder für die Erarbeitung eines "Gedenkstättenkonzeptes" beantragt, der aber lehnte ab. Der "Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien", so Neumanns offizieller Titel, stellte aber in Aussicht, sich an der "Umsetzung" zu beteiligen. [...] Das 50. Gedenkstätten-Seminar der Bundeszentrale für politische Bildung hat sich im Herbst 2008 mit der Geschichte des Bunkers Valentin und seinen Lagern befasst und dessen überregional bedeutsame "historische Relevanz" unterstrichen: Dieses "Massengrab für Menschen aus ganz Europa" sei ein "monströses technisches Denkmal". Die für das NS-System kennzeichnende Verschränkung von "Modernität und Barbarei" lasse sich an diesem Bauwerk demonstrieren. Das waren schon Stichworte für das Konzept.
aus: taz, 27.02.2009.



Anlässlich des Beschluss des Bremer Senat, 150 000 Euro für ein Konzept zur Nutzung des Bunkers Valentin als Gedenkstätte bereitzustellen, sendete Radio Bremen (buten und binnen) folgenden Beitrag:

http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=010608